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LinkVario für das HoTT-System von WS-Tech

 


LinkVario von WS-Tech für das Graupner'sche HoTT-System

Eine perfekte Symbiose aus ernsthaftem Vario, Datensammler und Sensoradapter!


 

Link-Vario von WSTech in der HoTT-Variante

Das Link-Vario von WSTech in der HoTT-Variante mit optionalem Zubehör

 


Noch ein Vario?


 

So könnte man sich wirklich fragen, habe ich doch an anderer Stelle bereits mehr oder weniger ausführlich über das Systemvario des HoTT-Systems berichtet. Nun, das stimmt wohl, dort habe ich aber auch geschrieben:

 

Die Systemvarios sämtlicher Hersteller können ein "richtiges" Vario nicht ersetzen! Dazu fehlt einfach die entsprechende Auflösung und Stabilität des Variosignals bzw. des Sensors.

 

Und hier kam mir mal wieder der Zufall ins Gehege. Wolfgang Schreiner, Kopf der in Segelflugkreisen durch seine Variometer wohlbekannten Firma WSTech, schrieb mich aufgrund exakt dieser Worte an. Und so kam es letztendlich dazu, dass ich euch hier mit einem der ersten LinkVarios von WSTech in der HoTT-Variante brandaktuell ein "echtes" und den Namen verdienendes Vario für den Modellflug in Verbindung mit dem "HoTT" 2,4 GHz-Funkübertragungssystem präsentieren kann!

 

Vorab: Was ich nicht tun werde, ist, Varios anderer Hersteller (außer dem HoTT-eigenen #33601) in martialischer Konkurrenz gegen das LinkVario antreten zu lassen. Da jeder Hersteller (und Modellflieger) hier teils eigene Philosophien verfolgt und mir zudem passende Messmittel fehlen, könnte ein solcher Vergleich nur persönlich gefärbt sein - und das dient Niemandem! Dem Ewigen Nörgler sei an dieser Stelle nur mitgeteilt, dass ich neben dem LinkVario und dem Systemvario des HoTT-Systems auch über Picolario und SkyAssistant (und ein Teledream II, aber das nur am Rande) und jede Menge Flugerfahrung damit verfüge. Auch werde ich hier nicht einfach die einzelnen Funktionen runterbeten, sondern mich auf die Dinge beschränken, die ich auch wirklich selbst in der Praxis testen konnte. Wer Werbung haben möchte, sei auf die einschlägigen Privatsender verwiesen ;). Wer sich indes ab ovo für den gesamten Funktionsumfang interessiert, dem sei ein Blick in die bei WSTech herunterladbare Anleitung empfohlen.

 

Gehen wir in medias res:

 


(Beinahe) unbegrenzte Möglichkeiten,


 

das war mein erster Eindruck beim Blick in die Anleitung des LinkVario. Ich muss gestehen, da gemeinhin komplett ausgestattet, waren die Varios von WStech bisher mehr am Rande meines Sichtfeldes vorbeigezogen. Besagter Blick aber schlug direkt auf meine Gehörgänge, ich wurde nämlich schlagartig wach und hellhörig, als ich von diesen Eigenschaften las:

 

  • Variometer-System für den Rückkanal des HoTT-Systems,
  • gesamte Datenübertragung über den Rückkanal,
  • Varioton-Erzeugung, Sprachausgabe und das Logging über den Sender (keine Zusatzgeräte erforderlich!),
  • Variometer-Akustik wie in der Großfliegerei,
  • Höhenänderungen im Bereich von +/- 1 cm/s erkennbar,
  • Einsatz einer TEK-Düse möglich,
  • Zusatzmodule wie GPS oder Stromsensor für Geschwindigkeits- und Entfernungsmessung und Überwachung von Elektroflugantrieben,
  • kleine, leichte und güstige Sensoren (Pitot Staurohr, Strom/Spannung, Temperatur) von SM Modellbau Stephan Merz verwendbar,
  • Datenlogging ohne Zusatzmodule o.ä. auf der SD-Karte im HoTT-Sender,
  • der Datenausgang des LinkVario muss nur mit dem Telemetrie-Eingang des HOTT-Empfängers verbunden werden,
  • Audio-Ausgabe direkt über den HoTT-Sender.

 

Hab' ich was vergessen? Mit Sicherheit ;). Was heißt das also im Klartext? Kurz zusammengefasst: Mit dem LinkVario bekommen wir, direkt angeschlossen an den Telemetrieanschluss eines beliebigen HoTT-Empfängers, neben einem erstklassigen Variometer mit Sprach- und Tonausgabe sämtlicher Parameter über den sowieso schon vorhandenen Sender gleichzeitig und ohne Aufpreis eine voll integrierte Schnittstelle für optionale GPS-, Strom- und Temperatursensoren aus dem Programm von SM-Modellbau. Damit fallen, falls es einer nicht gemerkt hat, die doch recht unhandlichen General- und Electric-Module weg, so man mit Strom, Kapazität und Spannung aus kommt! Auch benötigt man kein externes und separat anzuschaffendes LPD mehr, der Funkkanal ist auch immer frei. Dank der kompletten Integration in das HoTT-System braucht man hierbei keine wie auch immer geartete zusätzliche Bodeneinheit (Ground-Unit) und kann das LinkVario in allen Details via Menüpunkt "Telemetrie" im Sender programmieren. Alle über das LinkVario erfassten Werte lassen sich auch ganz normal über die Sprachausgabe abfragen und alle Daten werden auf der internen Speicherkarte des Senders abgelegt.

 

Ein paar erste optische Eindrücke:

LinkVario Linkvario Linkvario Linkvario
Anschlüsse Anschlüsse Draufsicht Anschluss am Empfänger

Funktionsweise


 

Hier können wir Wolfgang Schreiner zu Wort kommen lassen:

 

Modellflug-Variometer messen den Luftdruck mit einem elektronischen Drucksensor. Durch Differenzierung des Drucksignals (=Höhensignals) wird das Variometer-Signal gewonnen. Diese Differenzierung kann entweder analog oder digital erfolgen. Zur Anzeige, bzw. Ansage bei Sprachausgabe, gelangen üblicherweise beide Werte, das Höhensignal und das Variometer-Signal. Das Variometer-Signal wird wie im Segelflug üblich durch die sog. Variometer-Akustik angezeigt.

 

Wer mehr über die prinzipielle Funktionsweise eines Varios wissen möchte, den verweise ich hier auf den Rest seines sehr informativen Artikels Kleine Variometerkunde.

 

In der Praxis sieht das dann so aus, dass das Vario in das entsprechende Modell eingebaut und daran die gewüschten Sensoren oder die TEK-Düse angeschlossen werden. Was uns zum Thema

 


Anschlüsse und Zusatzsensoren am LinkVario


 

bringt. Das LinkVario verfügt, wie oben zu sehen, stirnseitig über einmal 4 Unistecker zum Anschluss von Temperatursensor, Pitot Speed-Sensor (beide von SM-Modellbau) und dem Link zum Empfänger, auf der anderen Seite über 2 JST ZH-Buchsen zum Anschluss des WSTech-eigenen GPS-Sensors sowie der Stromsensoren von SM-Modellbau. Oben drauf findet sich der Anschluss für die optionale TEK-Düse. WSTech bietet hier zwei verschiedene TEK-Düsen an; einmal die von den meisten anderen Systemen her bekannte Nicks-Düse und die nach dem Prinzip der "Braunschweiger Düse" arbeitende PRO-Version. Dazu später.

 

Aber fangen wir vorne an. Das LinkVario wird also mit einem 3-adrigen Standard-Uni-Kabel am Telemetrieanschluss des HoTT-Empfängers (im Gegensatz zu anderen Systemen ist jeder Empfänger telemetriefähig, lediglich der kleine Indoor-GR-12s benötigt ein Adapterkabel wegen der Microstecker) angeschlossen. Das war's schon. Parametriert wird das LinkVario über den Menüpunkt "Telemetrie" im jeweiligen HoTT-Sender oder, bei um- / nachgerüsteten Sendern, via Smart-Box. Hier lassen sich auch die gewünschten Daten für die Sprachausgabe über den Sender anwählen und wie ein HoTT-Sensor mit Warnschwellen etc. versehen.

 

Jetzt kommt das Pfiffige an der Sache: An den mannigfaltig vorhandenen anderen Anschlüssen kann man jetzt so ziemlich alle sinnvollen Sensoren aus dem Programm von SM-Modellbau (gedacht für den ebenfalls "HoTT" sprechenden UniLog 2) anschließen und verwenden! Was wiederum nichts anderes heißt, als dass man bei Verwendung eines LinkVario die wunderschön kleinen SM-Stromsensoren als Beispiel nutzen kann und die recht klobigen Originalmodule von Graupner nicht mehr benötigt. Allerdings, das sollte man der Fairness halber noch sagen, können die HoTT-Module natürlich noch einiges mehr als nur Strom, Spannung und Kapazität zu messen. Beispielhaft seien hier die bei nahezu allen Modulen implementierte Variofunktion, Einzelzellenüberwachung oder Anschluss für Drehzahlsensoren genannt.

Pitot Speed-Sensor von SM-Modellbau SM Stromsensor SM Stromsensor und Electric-Sir-Module im Vergleich Alle Optionen angechlossen
Der Pitot Speed-Sensor von SM-Modellbau Der 80 A Stromsensor von SM-Modellbau Stromsensor von SM auf General-Air-Module von Graupner Alle Optionen am LinkVario angeschlossen

Der SM-Modellbau Pitot Speed-Sensor, ein Prandtl'sches Staurohr mit den Messbereichen 0-250 km/h oder 0-450 km/h (also ganz knapp unter der Grenze von 250 kt / 463 km/h TAS für VFR ;)), kann ebenso direkt am LinkVario angeschlossen werden wie die WStech-eigene GPS-Antenne. Damit stehen neben der direkten Geschwindigkeitsmessung und Flugwegaufzeichnung sämtliche Optionen zur Verfügung, die man zur Optimierung eines Modells so braucht. Oder brauchen könnte, die Grenzen sind da ja fließend ...

 


Einstellmöglichkeiten


 

Das LinkVario ermöglicht via Telemetriemenü des HoTT-Senders oder der Smart-Box verschiedene Modi, wovon ich den Punkt "Sinkenschwelle" ein wenig näher beleuchten möchte.

 

Jedes Flugzeug hat ein aerodynamisch und nicht zuletzt schwerkraftbedingtes Eigensinken. Das heißt, denkt man sich Bewegungen der umgebenden Luftmasse weg, besitzt unser Segelflugzeug bei einer Geschwindigkeit V eine spezifische Sinkgeschwindigkeit Vs. Daraus abgeleitet gleitet es aus einer Höhe h ohne äußere Einflüsse bei einer bestimmten Geschwindigkeit V eine Strecke S. Diese Werte für verschiedene V zusammengetragen ergeben die Flugzeugpolare. Die Polare hat ein Maximum an der Stelle des geringsten Sinkens. Dieser Wert liegt bei unseren großen Brüdern in der offenen Klasse bei ca. 0,4 m/s, in der Standardklasse/Rennklasse um 0,5 m/s, bei den von mir vermessenen Großseglern im Maßstab 1:3 meist um 0,7-1 m/s. 

Was sagt uns das jetzt? Nehmen wir an, wir fliegen mit besagter Geschwindigkeit des geringstens Sinkens, nennen wir sie wieder Vs, an einem thermiklosen, absolut windstillen Tag bei ICAO Standardatmosphäre. Was passiert jetzt? Wir haben kein von außen beeinflusstes Steigen oder Fallen, sondern nur das Eigensinken. Was zeigt uns ein "normales" Vario nun an? Sinken! Und zwar in genau der Höhe des Eigensinkens. Erst, wenn unser Flugzeug durch Aufwinde mindestens 0 m/s - den sogenannten "Nullschieber" - erreicht, endet für ein normales Vario der Sinkbereich, denn es zeigt uns ja das Steigen und Sinken gegenüber der umgebenden Luftmasse an. Das ist aber insoweit Blödsinn, als wir, ausgehend wieder vom geringsten Sinken, jetzt in Wirklichkeit schon Steigen haben!

Das LinkVario bietet hier die Möglichkeit, die Sinkenschwelle entsprechend dem Mindestsinken unseres Modells anzupassen. Hier wählt man einen Wert, der knapp über dem Mindestsinken liegt. Beim "Diamant" mit seinen vermessenen ca. 0,6 m/s bei 32 km/h als Beispiel entsprechend 0,4 m/s. Als Ergebnis dessen zeigt uns das LinkVario nun akustisch an, wenn wir den Bereich des Eigensinkens verlassen und somit in aufsteigende Luftmassen einfliegen. Dieser Nullschieberbereich wird bei HoTT übrigens komplett ausgeblendet und mit Schweigen im Walde äh Vario gestraft.

Wer glaubt, das sei bis hierhin alles rein akademischer Natur - nun, so dachte ich bisweilen auch, musste mich aber jetzt eines Besseren belehren lassen. Mehr kann man dazu nicht schreiben, probiert es einfach aus ;).

LinkVario Linkvario Linkvario Linkvario
Menüpunkt Sinkschwelle Weitere Einstellmöglichkeiten Ist-Datenanzeige Seite 1 Ist-Datenanzeige Seite 2

Beim originalen HoTT-Vario #33601 (und dem baugleichen Teil in den Modulen) ist diese Sinkenschwelle auf 0,5 m/s festgelegt. Wem das und die HoTT-Akustik selbst besser gefällt, kann übrigens auch diese Charakteristik einstellen.

Wo wir gerade bei Akustik sind: Durch einen Trick hat WStech es geschafft, den bei HoTT ausgeblendeten Nullschieberbereich zu umgehen: Die Werte werden schlicht vervierfacht, somit beginnt unser Piepmatz im Ohr also schon bei rund 0,1 m/s oberhalb des eingestellten Eigensinkens Steigen anzuzeigen und nicht erst bei tatsächlichen 0,5 m/s - was ja, wie wir jetzt wissen, in Wirklichkeit schon 1 m/s entspräche.

Einen kleinen Schönheitsfehler hat diese Vervierfachung: Die Werte im Display sind ebenfalls um den Faktor vier zu hoch, echte 0,5 m/s werden also als 2 m/s angezeigt. Ich selbst schaue aber nicht aufs Display, sondern höre auf die nette Dame im Ohr. Zudem soll das in einer späteren Firmwareversion (zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen war die 0,70 aktuell) behoben werden.

 


Erste Flugerfahrungen


 

Genug der Theorie und des Vorgeplänkels, was zählt, ist schließlich die Praxis! Was macht man mit einem Vario, wenn man es im Januar bei miesestem Wetter in Händen hält? Genau, man macht Trockenübungen im Keller, bis zumindest der Regen mal irgendwann nachlässt. Bei selbigen Kellergeisterstunden wurden das Ansprechen, die Empfindlichkeit uswusf. im Vergleich mit den anderen mir zur Verfügung stehenden Varios überprüft, soweit man das mit meinen Hausmitteln nachstellen konnte. Ergebnis: Das LinkVario gibt sich gegenüber den anderen "Standalone-Varios" keine Blöße, in Sachen Empfindlichkeit liegt es sogar ganz weit vorne. Evtl. werde ich das noch in bewegten Bildern festhalten.


Testdelinquenten für die vielen Testflüge waren eine FunCub von Multiplex und mein immer treuer 4,5 m "Diamant" von Graupner mit 6s Elektroantieb. Am 17.01. konnte ich den ersten Flugversuch unternehmen. Testproband war die FunCub, welche den GPS-Sensor auf die Nase und das Vario in den Rumpf eingepflanzt bekam. Warum die Montage des GPS-Sensors ca. 8 mm über dem Motor keine gute Idee war, zeigte sich dann bei der Auswertung im HoTT-Manager 1.30.09 (warum ich hier die Versionsnummer hinschreibe, klärt sich weiter unten):

Auswertung Vario
Varioauswertung des ersten LinkVario-Fluges mit der FunCub

Der GPS-Sensor hat sich jede Menge Störungen eingefangen, was bei dem rotierenden Kupferknäuel darunter aber auch nicht wirklich verwunderlich ist. Ok, da denken wir das nächste Mal vorher besser nach ;).

 

Als nächstes wurde die FunCub zusätzlich mit dem Pitot Speed-Sensor und dem wunderbar kleinen U/I/C-Sensor von SM-Modellbau ausgerüstet. Da hierbei im Sender zur Datenaufzeichnung und für die Sprachansage das General-Air-Module ausgewählt wird, musste, solange Graupner keinen eigenen Speed-Sensor dieser Form herausbringt, die Drehzahlanzeige für den Staudruckfahrtmesser genutzt werden. Kleiner Schönheitsfehler: Bei 100 km/h flüstert uns die Dame "Drehzahl 1000 U/min" ins Ohr. Faktor 10 und falsche Einheit also. Aber da bin ich guter Dinge, dass sich dahingehend auch noch was tun wird.

Der GPS-Sensor wurde bei der Gelegenheit noch aufs Dach der FunCub gesetzt. So richtig viel Platz ist in dem Ding halt nicht. Oder findet irgendjemand, das sei zuviel Sensorik für eine Schaumwaffel ;)?

GPS-Sensor auf der FunCub SM-Modellbau Speed-Sensor SM-Modellbau Speed-Sensor SM-Modellbau Speed-Sensor
WSTech GPS-Sensor in der Funcub Pitot Speed-Sensor von SM-Modellbau in der Funcub  Das Pitotrohr wurde provisorisch befestigt Auf die richtige Ausrichtung ist zu achten!
Höhenschrieb Höhe Geschwindigkeit Geschwindigkeit Kapazität Spannung Strom
Höhenschrieb Höhe und Geschwindigkeit Pitot-Speed alleine Kapazität, Spannung, Strom

Diese und alle weiteren Flugversuche mit verschiedenen Einstellungen brachten die Erkenntnis, dass Wolfgang Schreiner sich einige und, vor allem, die richtigen Gedanken gemacht hat. In Verbindung mit den Sensoren von SM-Modellbau wird das LinkVario von WStech zu einem (beinahe) alleskönnenden Tausendsassa!

 


Flugerfahrungen Teil 2 - Vario an Bord!


 

Nun hatten wir Zusatzsensoren und auch sonst fast alle Themen - was aber, wenn man nur ein gut funktionierendes Vario für sein HoTT-System haben möchte? Nun, der Zufall kam mir da etwas zu Hilfe. Normalerweise hätte ich diesen Part auf das Frühjahr verschieben müssen, denn im Februar ist es zumeist mit Thermik und damit mit der Erprobung eines Varios Essig ...

 

Am 11.02.2012 aber, bei kuscheligen -2°C, wollte ich mit besagtem Diamant einfach mal wieder eine Runde fliegen, nach knapp einem Monat mal wieder was anderes als Schaumwaffeln am Knüppel haben. Und wenn man den Vogel schon auf den Platz kutschiert, baut man eben vorher noch schnell das LinkVario samt GPS-Sensor ein. Eventuell, so dachte ich, kann man ja bei der Gelegenheit etwas rumprobieren.

 

Gesagt, getan. Geladen hatte ich alles schon zuhause, also den Diamant zusammengesteckt und mit einem kräftigen Schubs in die Luft befördert. "Höhe 300 m" flüsterte mir die nette Dame aus meiner mc-32 bald ins Ohr, also wurde der Antrieb abgeschaltet. Im Geiste schon auf "Abgleiten und etwas Rumturnen" geeicht, legte ich den Schalter für das Vario um. *Piep-Piep-Piep-Piep- ...*? Drei große Fragezeichen bilden sich über der Mütze des Piloten? "Hängt das Vario, bekommt es irgendwo Falschluft zugefächelt, ist es gar defekt"? Halt, wie war das beim Instrumentenflug? "Du musst Deinen Uhren vertrauen, nicht Deinem Hintern!". Ja denn, kreisen wir doch mal ein ...

Was dann folgte, habe ich in dem Vierteljahrhundert, die ich dieses Hobby nun schon ausübe, noch nicht erlebt: Thermik vom Allerfeinsten bei -2°C Bodentemperatur Anfang Februar! Und das nicht nur einmal und an einer Stelle, nein, großflächige Aufwinde mit Steigwerten, von denen man im Sommer träumen würde - zumindest bei uns! Selbst durch wildes Herumturnen wird kaum Höhe vernichtet, und wenn doch, dann kreist man eben wieder ein und ist in nullkommanix wieder auf Höhe.

Das Zentrieren der Thermik ist mit dem LinkVario kein Problem. Es reagiert sehr feinfühlig, ist dabei aber nicht nervös. Durch die Gewissheit, dass beim akustischen Signal "Steigen" (also Piepen) auch wirklich Steigen vorhanden ist, kreise ich selbst unterhalb von 50 m und recht weit entfernt noch entspannt ein paar "Lupfer" aus.

 

Das gesamte Log

 

In blau die Spannung des Antriebsakkus, lila die Kapazität desselben, die langen roten Spitzen (3 ganz kurze Motorläufe am Ende erkennt man nur anhand der Kapzitätsänderung, ansonsten waren sie zu kurz, um dargestellt zu werden) sind die Motorläufe. In grün die Höhe. Die Einbrüche zwischendrin im Höhenschrieb stammen von den Verwirbelungen des Kontronik Außenläufers.

 

Schaumwaffeln kann man mit Handschuhen fliegen. In dieser Modellklasse ist das aber nicht mehr so toll, dementsprechend wurden die Finger ohne Handschuhe nach 30 Minuten doch etwas "steif". Es half nichts, bevor man das Modell aufgrund eingefrorener Griffel riskiert, kommen wir lieber zur Landung. Gerade einmal 2000 mAh wurden aus dem 5000er Akku entnommen, das hätte also locker ein Stundenflug werden können!

Temperatur Diamant und Funcub
Temperatur-Beweisfoto Nach dem Wahnsinnsflug Höhenschrieb alleine

"Na, wie funktioniert das Vario denn jetzt?", höre ich da den einen oder anderen Leser missmutig vor sich hin brummeln? Ich glaube, das konnte man aus den Zeilen vorher durchaus ablesen: Hervorragend! Die Akustik, das feinfühlige Ansprechen, die hohe Empfindlichkeit und die perfekte Integration in das HoTT-System machen das Fliegen damit zur wahren Wonne! Ich denke, und das ist eine Sache, die wirklich erst die kommende Saison zeigen wird, dass sich das LinkVario von WStech zu meinem bevorzugten Vario entwickeln wird. Seht mir aber bitte nach, wenn ich nach vielleicht 4 Stunden Flugerfahrung mit dem System noch kein abschließendes Urteil fälle ...

 


Die TEK-Düsen


 

Weiter oben hatte ich es schon geschrieben, für das LinkVario bietet WStech zwei verschiedene TEK-Düsen an. Die auch von anderen Systemen bekannte Nicks-Düse und die von Rolf Schuler nach dem Vorbild der "Braunschweiger Düse" in langer und aufwendiger Entwicklungsarbeit entwickelte Pro-Düse.

Nicks-Düse und Pro-Düse Pro-Düse Anschluss Komplettes Set
Oben Pro-Düse, unten Nicks-Düse Nicks-Düse im Detail Anschluss der Düse Das komplette Set

Schon rein optisch werden die Unterschiede deutlich. Da ich aber weder mit der einen, noch mit der anderen bisher Flugerfahrung sammeln konnte, muss ich euch den "pars practica" hier vorerst noch schuldig bleiben. Wer Interesse an den Systemunterschieden hat, kann sich aber hier schonmal satt lesen ;).

Bliebe noch anzumerken, dass eine TEK-Düse zwar die Knüppelthermik ausblendet (wenn sie gut abgestimmt ist), dass sich dadurch aber auch die Höhenanzeige ändert. Eine genaue theoretische Abhandlung hierzu findet sich ebenfalls unter obigen Links. Tatsache ist: Bei einem normalen Flug hat man mit ca. 30-50 m Differenz der Höhenansage zu rechnen. Damit kann man bei unserer VMC-Fliegerei leben. Wer es aber ganz genau haben will, für den hat hat WStech mit der DUO-Version des LinkVario eine (49,- € teurere) Variante im Programm, die einen zweiten, hochgenauen Höhenmesser enthält, womit Höhenabweichungen passè sind. Auch in Sachen Flugerfahrung mit dem LinkVario DUO muss ich euch auf später vertrösten, denn das kam gerade noch rechtzeitig zum Fototermin und war bei mir noch nicht in der Luft.

 

DUO Version

 


Datenauswertung


 

Dem einen oder anderen Leser ist es vielleicht weiter oben bei den Diamant-Logs schon aufgefallen: Die einzelnen Schriebe unterscheiden sich teils erheblich, trotz identischer Datenquelle?! Generell können die im Sender geloggten Daten im von Graupner herunterladbaren Programm "HoTT-Manager" ausgewertet, mit anderen Daten überlagert oder eben schlicht angezeigt werden. Einzelne Grafiken lassen sich hierbei speichern, auch können Daten in z.B. Google-Earth exportiert werden. Im Firmware-Updater von Graupner lassen sich die geloggten Daten ebenfalls visualisieren. Als Alternative zu diesen beiden eignet sich auch das Programm "Data-Explorer", welches ich mittlerweile bevorzuge. Der Grund ist schnell erklärt: Es ist einfacher, komfortabler und besser zu bedienen als der HoTT-Manager und, vor allem, zeigt Datensätze, die im HM teils wirre Charts erzeugen, vernünftig an. Allerdings gab es bei GPS-Daten auch schon den umgekehrten Fall, HM zeigt konsistente Daten, DE redet wirres Zeug. Aber das war die Ausnahme ...

Na jedenfalls konnten Datensätze, bei denen mit der Funcub lt. HM mehrere Millionen (!) Kilometer in 10 Minuten zurückgelegt wurden, meist mit dem Data-Explorer korrekt angezeigt werden.

 

Aus dieser Erfahrung heraus empfehle ich bei scheinbar nicht plausiblen Daten - oder am besten gleich von Anfang an - den Data-Explorer zu verwenden. Falls der dann doch mal wirres Zeug anzeigen sollte, kann man immer noch zum HoTT-Manager greifen ...

 

Warum das nun so ist, dass mal der eine, mal der andere komisches Zeugs anzeigt - keine Ahnung. Beide Programme haben anscheinend Filter für nicht plausible Werte implementiert, die unterschiedlich agieren.

 

 


Ausblick auf die Zukunft


 

Das LinkVario von WSTech bietet uns neben seiner eigentlichen Funktion, einem sehr guten und voll integrierten Vario eben, die Möglichkeit, jede Menge Zusatzsensoren anschließen zu können. Gerade im Großsegler mit Klapptriebwerk als Beispiel erspart man sich so weiteres Zusatzgerät. Noch dazu fallen so lästige (und in entsprechender Qualität nicht eben günstige) Dinge wie ein LPD samt dessen Akkumanagement weg. Die mögliche Speicherung im Sender und die Sprachausgabe sämtlicher Daten macht die ganze Telemetrie erst wirklich sinnvoll. Wer seinen Großsegler bei blauem Himmel schonmal aus den Augen verloren hat, weil er kurz abgelenkt war, weiß, was ich meine ...

 

Was Wolfgang Schreiner hier mit seinen LinkVarios anbietet, dürfte ein Blick in die Zukunft sein. Da inzwischen nahezu jede Firma ein rückkanalfähiges Funkübertragungssystem anbietet, ist das auch die logische Konsequenz. Warum soll ich als ambitionierter Segelflieger weiterhin LPD, Ohrhörer, evtl. Logger etc. pp mitschleppen, wenn ich das alles in einem Gerät, meinem Sender nämlich, haben kann? Noch dazu ist das LinkVario im Gegensatz zu anderen Varios mit LPD mit 159,- € (offizieller Auslieferungsbeginn ist wohl Anfang März 2012) geradezu schweinemäßig günstig.

 

 


Variovergleich


 

Ich habe nun endlich die Filme vom Variovergleich zwischen HoTT-Vario #33601 und dem LinkVario in der HoTT-Variante zusammengeschnitten. Quasi weltexklusiv für die treuen Leser meiner Seiten hier nun mein Vergleich der beiden ungleichen Brüder:

 

Vergleichsaufbau

 

 

Hier enden meine Ausführungen fürs Erste. Sobald es Neuigkeiten, Auffälligkeiten oder einfach Interessantes zu erzählen gibt, wird hier ein Update folgen! Falls es Fragen oder spezielle Wüsche, was ich einmal ausprobieren soll, geben sollte, könnt ihr mir natürlich gerne schreiben.

 

 

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