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Der Satellitenbetrieb des HoTT-Systems - das unbekannte Wesen

 


Der Satellitenbetrieb des HoTT-Systems


 

Satellitenverbund

Satellitenverbund aus HoTT-Empfängern

 

 


Was hat RC mit Fernsehen zu tun?


 

Nichts natürlich. Satellit meint auch nicht, dass wir jetzt eine 80 cm Schüssel samt LNC ans Modell schrauben sollen, um den Empfang zu verbessern. Satellit meint nichts anderes, als dass eine zweite Empfangseinheit möglichst weit entfernt vom Hauptempfänger positioniert wird, und die von ihm empfangenen Signale gebündelt an den Hauptempfänger schickt.

 


Das Summensignal


 

Dem einen oder anderen Leser ist der Begriff sicher schon über den Weg gelaufen - "Summensignal". Was verbirgt sich nun dahinter? Nun, ohne jetzt auf die technischen Hintergründe einzugehen (hierzu besser das weltweite Netz befragen), stellt das Summensignal alle übertragenen Kanäle "en bloc" bereit. Die Hubschrauberflieger nutzen es längst für die diversen Flybarless-Systeme. Man benötigt, um im Beispiel zu bleiben, nur eine Leitung vom Empfänger zur FBL-Elektronik, und trotzdem können im Falle des HoTT-Systems alle 16 Kanäle übertragen werden. Dann gibt es noch Unterschiede zwischen "analogen" und "digitalen" Summensignalen, aber das ist für uns erst einmal uninteressant.

Nun gibt es nicht nur ein Summensignal, es gibt gleich mehrere, die dazu noch mit verschiedenen Zahlen hinten dran. Die Zahlen, das direkt zu Anfang, geben nur die Zahl der als Summensignal ausgegebenen Kanäle wieder. Hier ist es wichtig zu wissen, dass selbst der kleine GR-12 mit originären 6 Kanälen volle 16 Kanäle als Summensignal ausgeben kann!

 

Und was heißen die Kürzel nun? Ganz einfach: SUMO bedeutet "Summensignal Out", SUMI "Summensignal In", SUMD "Digitales Summensignal". Der Satellit bekommt also SUMO mit der gewünschten Kanalanzahl. Beim GR-24 als Hauptempfänger mit seinen 12 Kanälen macht am Satellit also  max. SUMO 12 Sinn, beim GR-32 als Hauptempfänger bekommt der Satellit SUMO 16. Der Hauptempfänger selbst wird bei allen SUMO-Varianten schlicht auf SUMI gestellt.



Praxisfragen


 

In der Praxis geht es darum, eine zweite Empfangseinheit so im Modell unterzubringen, dass, sollte unser Hauptempfänger aus irgendwelchen Gründen keine Signale mehr empfangen, der Satellitenempfänger in die Bresche springt und dem Hauptempfänger mitteilt, was da unten am Boden gerade gesteuert wird. Bei großen Segelflugzeugen mit viel Elektronik wie einem Klapptriebwerk als Beispiel böte sich hier der Einbau oben in der Dämpfungsflosse an:


Skizze

Skizze für Empfängerpositionen

 

Wie hier grob skizziert sitzt der Hauptempfänger, im Falle der abgebildeten ASH-31 ein GR-32, im Rumpf inmitten einer Vielzahl von Kabeln und hinter dem Klapptriebwerk an der Rumpfseitenwand versteckt. Der Satellit, auf dem Bild ein GR-24 (ein GR-16 tut's natürlich genauso) in der Dämpfungsflosse. Warum ich keinen GR-12 empfehle, erkläre ich später.


Die 4 Antennen des GR-32 wurden in der ASH-31 durch längere Exemplare ersetzt und möglichst weit von allen Kabeln entfernt verlegt worden. Die Antennen des SAT zeigen einmal senkrecht nach oben, einmal in Richtung Rumpfnase.



Anschluss und Einstellungen


 

Wichtig ist, wie so oft, der richtige Anschluss. Darüber soll folgende Tabelle Aufschluss geben:

 

Empfänger GR-12 GR-16 GR-24 GR-32
Summensignaltyp SUMD, SUMH, SUMO 4 - SUMO 16 SUMD, SUMH, SUMO 4 - SUMO 16 SUMD, SUMH, SUMO 4 - SUMO 16 SUMD, SUMH, SUMO 4 - SUMO 16
Summensignal Anschluss CH 6 CH 8 CH 8 Separater SAT_Anschluss
Eignung als SAT Bedingt Ja Ja Ja
Bemerkungen Nur eine Antenne - SUMO an CH 8 beachten Fast schon zuviel des Guten

 

Für Programmierzwecke auf der Werkbank habe ich mir vor einiger Zeit einen kleinen Programmierdummy gebaut. Dieser hat den Vorteil, dass man nicht immer das ganze Modell aufbauen muss.


Zur Demonstration wurde hier der GR-24 als Hauptempfänger sowie ein GR-16 als Satellitenempfänger gewählt. Beide werden an CH-8 mit einem handelsüblichen Kabel verbunden.

 

Achtung! Sollen am SAT ebenfalls Servos angeschlossen werden, unbedingt eine eigene und ausreichende Stromzufuhr verwenden!

 

 

Genug gelabert, gehen wir ans Eingemachte und exerzieren die Sache einmal durch:

 

Skizze Skizze Skizze

Programmierdummy mit Satellitenverbund

GR-16 als Satellit, GR-24 als Hauptempfänger

Binden der Empfänger in der richtigen Reihenfolge

Skizze Skizze Skizze

Unter "Telemetrie" Hauptempfänger "Bind 1" auswählen

Unter "RX Servo Test" "CH Out Type" auf "SUMI" stellen

Unter "Telemetrie" Satellitenempfänger "Bind 2" auswählen

Skizze Skizze Skizze

Unter "RX Servo Test" "CH Out Type" für 12 Kanäle auf "SUMO 12" stellen

Sensoren an den Satellitenempfänger anschließen.

Unter "Telemetrie" "Bind 2" für Telemetrie auswählen

 

Das war's im Prinzip schon. Sobald die Sache dergestalt eingestellt und alles verkabelt ist, liefert unser Satellit das Summensignal an den Hauptempfänger. Hat dieser keinen Empfang mehr, springt nahtlos und ohne, dass man das am Boden merken würde, der Satellitenempfänger ein. Wie aber kontrolliert man die Sache? Dazu mehr im nächsten Abschnitt.



Was es noch zu beachten gibt


 

Möchte man nun überprüfen, ob die Sache wirklich funktioniert, muss man etwas trickreich vorgehen. Im Prinzip gibt es dazu mehrere Möglichkeiten:

 

1) Hauptempfänger samt Antennen in Alufolie wickeln, in die Microwelle stecken (nicht einschalten!) und den Sender in den Reichweitenmodus versetzen.

 

2) Hat man zwei identische Hauptempfänger, beide auf SUMI programmieren, einen aber nicht auf den Sender binden. Prozedur wie oben, dann den eigentlichen Empfänger durch den zweiten ersetzen. Dieser hat dann keine Verbindung zum Sender, gibt aber das Summensignal des SAT weiter. Hierbei muss die LED des Hauptempfängers rot blinken.

 

3) Man durchläuft die Prozedur wie oben, bindet den Hauptempfänger dann aber an einen zweiten Sender. Schaltet man den zweiten Sender wieder aus, ist der Hauptempfänger wieder empfangslos (blinkt rot), der SAT aber nach wie vor gebunden und gibt seine Signale weiter.

 

Skizze

SAT-Empfänger aktiv, Hauptempfänger ohne Verbindung

 



Was es noch zu beachten gibt


 

Oben steht es geschrieben, die Sensoren müssen am Satellitenempfänger angeschlossen werden. Das hat bei einer großen Entfernung zwischen Hauptempfänger und SAT natürlich den Nachteil, dass man noch ein zweites Kabel ziehen muss. Eher "müsste". In der Praxis genügt bei einer gemeinsamen Stromversorgung eine einzelne Litze, welche am Impulsanschluss des Telemetrieanschlusses angeschlossen wird. Die Versorgungsspannung bezieht man vom Hauptempfänger. Ich verwende dazu ein V-Kabel, bei dem ich das Impulskabel herausgezogen und mittels einer Litze am SAT angeschlossen habe.

 

Skizze

Telemetrieanzeige vom SAT-Empfänger

 

Ein Sonderfall ist der GR-12 als SAT. Prinzipiell funktioniert er genauso wie die anderen Empfänger auch. Aber. Durch seine einzelne Antenne hat er kein Antennendiversity, und da die Telemetrie vom SAT übermittelt wird, werden hier auch die Antennenwerte übertragen. In der Praxis bedeutet das, dass einem unter ungünstigen Bedingungen (tief und weit weg) Reichweitenwarnungen ereilen können. Die haben nichts mit dem Hauptempfänger zu tun und betreffen nur den SAT, irritieren aber trotzdem. Aus der Praxis berichtet hatte ich den GR-12 als SAT im Heck meiner 6 m ASG-29 von Tangent. Hier gab es bei tiefen Überflügen und beim Kreisen in großen Höhen vereinzelte Reichweitenwarnungen und nicht sonderlich gute L-Pack-Werte. 

Das darf man nicht überbewerten, denn schließlich denkt unser Sender, dass wir einen Großsegler mit einem kleinen GR-12 fliegen ;). Aber es irritiert eben, daher empfehle ich hier ganz klar den Einsatz des GR-16 mit 2 Antennen. Damit sind diese reinen Schönheitsfehler passé.



Abwandlungen und Ergänzungen


 

Man kann den SAT-Betrieb natürlich auch anders aufteilen, z.B. einen Empfänger in die linke, einen in die rechte Fläche und die Servos entsprechend verteilen. Neben dem unbedingt zu beachtenden Hinweis weiter oben, dass dann die Stromversorgung unbedingt und zwingend für beide Empfänger stark genug ausgelegt sein muss und eindrücklich NICHT nur über das Satelliten-Verbindungskabel erfolgen darf, kann man hier einen weiteren Vorteil des HOTT-Systems ausspielen:

Man weist hierbei dem zweiten Empfänger im Telemetriemenü beispielsweise bei Verwendung von 2 GR-16 per Channel Mapping die Kanäle 9-16 zu, und kann den Rest ganz normal über den Sender einstellen.

 

Skizze

Telemetriemenü Channel-Mapping

 

Bei Empfänger Nr.2 wäre das also CH1->CH9, CH2->CH10 usw. Man hat dann im Sendermenü zwei Empfänger, die sich aber ohne Einschränkung wie ein einzelner GR-32 einsetzen und programmieren lassen. Einzig nach einem Update und dem danach fälligen Reset sind die Einstellungen wieder flöten. Aber die kann man ja vorher über das Update-Studio speichern und einfach wieder zurückspielen.


Eine kleine Einschränkung gibt es momentan (September 2013) noch: Mit dem GR-32 als Hauptempfänger bedeutet dies, dass es bei Servowegen >125% auf den Kanälen >12 zu ungewollten Servoausschlägen (Zuckern) kommen kann. Das passiert nicht mit Kombinationen der anderen Empfänger und setzt ganz spezielle Programmierungen voraus, zudem fällt das nur mit schnellen Digiservos auf. Die richtige bzw. falsche Kombi habe ich natürlich wieder gefunden ;). Graupner arbeitet daran, und aus der Erfahrung heraus wissen wir ja mittlerweile, dass die Lösung dann meist nahe ist. Nochmal: Mit Kombinationen aus GR-24, GR-16 oder GR-12 und bei Programmierungen mit normalen Servowegen tritt dieses Phänomen NICHT auf!



Update 12'2013


 

Graupner hat dieses Mal etwas länger gebraucht, aber mit Erscheinen des Updatepakets vom 29.12.2013 ist dieser Fehler Vergangenheit - zumindest konnte ich ihn trotz intensiver Bemühungen nicht mehr nachstellen. Somit kann man diese Einschränkung des vorigen Absatzes vergessen und getrost einen Satellitenverbund, gleich welcher Kombination, einbauen. Falls jemand auf Fehlersuche ist, könnte dieser Hinweis aber nützlich sein; daher bleibt er stehen.



Abschließend


 

Mittels SAT-Betrieb kann man die Empfangssicherheit unter schwierigen Bedingungen entscheidend verbessern. Anwendungen sind hier neben besagtem Großsegler auch Modelle mit Metallhaut, mehreren Turbinen oder weit auseinanderliegenden Servos. Bei Mehrmotorigen lohnt sich durchaus die Überlegung, ob man nicht in jede Fläche, das Leitwerk und den Rumpf je einen GR-16 setzt und je zwei davon als Satellitenverbund aufsetzt. Das spart jede Menge Kabel zu einem zentralen Empfänger und verringert die Chance einer Antennenabschattung erheblich.

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